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  • Christiane Beyer

Der 2. Band ist fertig

Aktualisiert: 30. Nov. 2021


Wir hatten alles verloren, aber wir lebten.

Wir konnten unsere Blicke nicht von dem Feuer abwenden. Die Hitze der Glut hüllte uns ein. Funken tanzten durch die Luft. Wie durch ein Wunder, hatte unser Stall auf der Koppel kein Feuer gefangen. Noch nicht. Die Tiere waren alle draußen und unruhig. Ich sollte zu ihnen gehen und sie beruhigen. Wir mussten die Pferde holen, die wir zurückgelassen hatten. Doch das alles erschien mir neben lässlich. Mein zu Hause gab es nicht mehr. Tränen rannen mir über die Wangen. Ich konnte ein Schluchzen nicht unterdrücken. Dad zog mich und Erik näher an sich heran. Und ich sah, wie Narvik Caro im Arm hielt, auch sie weinte leise.

Alle anderen starten auf die langsam erlöschenden Flammen. John fing an zu weinen und Victor wiegte ihn sanft in seinen Armen. Wie selbstverständlich knöpfte Anuri ihre Bluse auf.

An Victor gewandt, sagte sie: „Gibt ihn mir.“

Sie legte ihn an ihre Brust und sofort beruhigte er sich. „Danke“, flüsterte Victor ihr zu.

Meine Gedanken wanderten zu dem ersten Tag zurück, als wir

hier ankamen. Damals war ich sieben Jahre alt. Im Geist

durchlebte ich all diese Jahre noch einmal.

„Zwölf Jahre an einem Abend ausgelöscht!“

Wo war der Gedanke hergekommen? Der stimmte so nicht. Sicher, unser zu Hause gab es nicht mehr. Aber die

Erinnerungen an all die vielen Jahre, das Schöne und auch

das Traurige, konnte kein Feuer der Welt auslöschen. Wir

konnten uns ein neues zu Hause schaffen. Es half uns nichts dem Unveränderlichen nachzuweinen. Wir hatten es einmal

geschafft und würden es auch jetzt wieder schaffen. Je eher, desto besser.

Ich straffte meine Schultern und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Die Nacht war der Morgendämmerung gewichen.

„Ich hole unsere Pferde und die Sachen, die wir auf der Waldwiese zurückgelassen haben“, sagte ich leise in die Runde.

Damit stand ich auf. Dad zog Erik zu sich heran.

„Warte“, sagte Brian, „ich komme mit und helfe dir.“

Schweigend gingen wir zu den Pferden.

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